Rietberg Fahrradfreundlich Logo Rietberg.“Diese Entscheidung bestärkt uns in unserem Bemühen, die Mobilität in unserer Stadt für Fahrradfahrer, aber auch Inline-Skater und andere nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer weiter zu fördern, damit gleichzeitig den Klimaschutz zu stärken und den Menschen eine höhere Lebensqualität zu bieten.“ Freude bei Bürgermeister André Kuper, den zuständigen Mitarbeitern in der Stadtverwaltung, den lokalen Vertretern der Ratsfraktionen und bei allen Rietbergerinnen und Rietbergern, die gerne mit dem Drahtesel unterwegs sind. Am späten Montagnachmittag verkündeten Sprecher Dieter Hilser und Ministerialrat Peter London das Ergebnis der Jurybesichtigung durch die Fachleute der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Städte, Gemeinden und Kreise NRW: „Rietberg wird natürlich in den Kreis der AGFS-Mitglieder aufgenommen. Hier ist wirklich vieles vorbildlich.“ Einen Tag lang nahmen sich die rund 20 Experten Zeit, die Emskommune aus dem Blickwinkel der Fahrradfahrer zu betrachten. Und wie sie festellten, einem „erfreulichen Blickwinkel“, denn die bisher schon umgesetzten Maßnahmen entsprachen weitgehend dem Kriterienkatalog der AGFS. Und so manches ging auch weit darüber hinaus. Rietberg ist damit die erste Kommune im Kreis Gütersloh, die Aufnahme nach den strengen Vorgaben der Arbeitsgemeinschaft in diese findet.

Start im historischen Stadtkern: die AGFS-Kommission nahm per Fahrrad die Exkursion durch die Emsstadt vor und befand am Ende: „Hier ist wirklich vieles vorbildlich.“ Bilder: stadt rietberg

„Kräftige Beine und gute Laune“ hatten die aus ganz NRW angereisten Mitglieder der Kommission morgens zum Auftakt mitgebracht. „Ich hab beruhigt festgestellt, dass hier alles flach ist“, freute sich Sprecher Dieter Hilser (MdL). Er, Peter London (Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr), Axel Horstmann (ADFC-Landesverband), weitere Ministerialvertreter, Landtagsabgeordnete, Abgesandte verschiedener Mitgliedskommunen, Vertreter der Bezirksregierung, des Landesbetriebes Straßenbau, des Kreises und der Kreispolizeibehörde sowie die Fachmannschaft der Stadtverwaltung und Sprecher der Radfahrfreunde Lintel und Umgebung unternahmen unter Leitung von Kuper eine Rundfahrt zu ausgewählten Standorten bei allerbesten Witterungsbedingungen. Zuvor hatte Kuper im Ratssaal kurz die Emskommune mit wichtigen Eckdaten und den Zielen der Fahrradfreundlichkeit vorgestellt. Fachbereichsleiter Bauen Matthias Setter erläuterte in einem Referat die wesentlichen Investitionen für den Radwegebau und dokumentierte die flächendeckende Radwegenetzversorgung in allen Stadtteilen, in die inclusive Fördermitteln in den vergangenen sechs Jahren rund 4,5 Millionen Euro investiert worden sind.- Für 2011 sind Neuanlegungen und weitere Arbeiten vorgesehen, so die Errichtung von Querungshilfen, die Sanierung des Emsradweges und die Fertigstellung des Radwege-Lückenschlusses Detmolder Straße.

Gerhard Sieweke, Sprecher der Radfahrfreunde Lintel und Umgebung gab einen Überblick über die Aktivitäten des mittlerweile annähernd 200 Mitglieder zählenden Vereins, rund 80 davon aus Rietberg. Wichtigste Projekte bisher waren die Radwege Lintel-Druffel, Lintel-Varensell und der im Bau befindliche Weg zwischen der Stadtgrenze Verl und dem Ortsteil Neuenkirchen an der Detmolder Straße.

Peter London, Bürgermeister André Kuper und Dieter Hilser zeigen das neue Logo der Stadt auf Sattelschonbezügen. Rietberg ist seit Wochenbeginn erstes Mitglied der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Städte, Gemeinden und Kreise aus dem Kreis Gütersloh.

Knapp zwei Dutzend Stationen wurden anschließend mit den Fahrrädern angesteuert, unter anderem besichtigten die Teilnehmer den Radweg ehemalige Bahntrasse, sahen touristische Radroutenverläufe, informierten sich über die Wegweisung und die Anlegung sogenannter Schutzstreifen sowie Zweirichtungsradwege. Die überall installierten neuen Bügel, das LGS-Gelände Nord, der geplante Rastplatz im LGS-Gelände Süd, die Vorfahrtberechtigung für Radler an Querungen im Bereich der Wallanlagen und auch in Planung befindliche Projekte wie die Aufstellung von abschließbaren Fahrrad- und Gepäckboxen an drei Standorten (ZOB, LGS-Eingänge Markenstraße und Stennerland) und viele weitere Themen mehr kamen zur Sprache.

Diplom-Ingenieur Dankmar Alrutz von der Planungsgemeinschaft Verkehr mit Sitz in Hannover stellte das umfangreiche Radverkehrskonzept samt neuem Fahrradlogo vor. Zur LGS und zum Gartenschaupark sowie zur erfreulichen Entwicklung im Tourismusbereich berichtete Gartenschaupark-Geschäftsführer Peter Milsch.

Im Juli 2004 hatte Bürgermeister André Kuper den Impuls gegeben, Rietberg systematisch zur sogenannten fahrradfreundlichen Stadt weiterzuentwickeln. Zunächst galt es eine ganzheitliche Betrachtung unter den Kriterien der AGFS zu erstellen und vielfältige Maßnahmen zu realisieren. Im November 2008 beschloss der Fachausschuss die Erstellung des Radverkehrskonzeptes, am 29. April 2010 beauftragte der Rat einstimmig die Verwaltung mit der Erstellung des Aufnahmeantrages in die AGFS. Innerhalb des Rathauses kümmern sich gleich mehrere Fachabteilungen intensiv um die Belange der Drahteselfreunde. Workshops mit der Fachgruppe im Stadtmarketing brachten zusätzliche Hinweise zu wünschenswerten und notwendigen Maßnahmen.
Eingebunden in ein auf Stadtgebiet 140 km umfassendes regionales und überregionales Routennetz, zu dem auch der stark frequentierte Emsradweg gehört sollen in nächster Zukunft bisher parallele Wegeführungen optimiert werden. Es gelte, so Kuper, bestehende kleinere Lücken in mehreren Ortsdurchfahrten zu schließen, dabei sei insbesondere auch an die Anlegung von sogenannten Schutzstreifen wie an der Westerwieher Straße schon praktiziert, gedacht. Bereits eingerichtet wurde auf der Homepage rietberg.de eine umfassende Information mit der Möglichkeit unter der Adresse radverkehr@stadt-rietberg.de Anregungen und Wünsche zu äußern. Ab Mai wird Rietberg im Nahverkehrsverbund an die sogenannte Spargel-Linie 440/442 gebunden, die Busse sind mit Fahrradanhängern ausgestattet. Die Stadtplanung haben wir, so Kuper, so verändert, dass alle neuen Wohnbaugebiete ausgerichtet werden auf die Bevorrechtigung von Radfahrern und Fußgängern, im historischen Stadtkern sollen sogenannte alte Brandgassen als kurze Verbindungen reaktiviert werden. Weiter voran getrieben wird der Ausbau der fahrradabstellanlagen, in der Vergangenheit wurden bereits 100 moderne Bügel aufgestellt, weitere werden insbesondere an den Bushaltestellen und Schulen folgen. Die Ortsdurchfahrten Varensell und Neuenkirchen erhalten markierte Schutzstreifen. Auch hinsichtlich der Mobilität auf flotten Rollen, sprich auf Inline Skates intensiviert die Stadt ihre Aktivitäten. So gibt es in der Gartenschauparksaison bekanntlich erweiterte Möglichkeiten, den Neuenkirchen-Park auf den schnellen Flitzern zu durchqueren. Im Stadtteil Mastholte ist die Ausweisung einer Route rund um Mastholte mit einer Länge von etwa 14km in der Planungsphase. Schließlich arbeitet die Verwaltung auch an der Herausgabe einer neuen Rad- und Wanderkarte.

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